Interviews:
Sein Schmidt, Neurowissenschaftliche Forschergruppe, Charité Berlin
Susanne Hahn, Medizinhistorikerin, Ärztin, Ausstellungsmacherin

Sein Schmidt, Neurowissenschaftliche Forschergruppe, Charité Berlin

Was lässt dich den Kontakt zu Kunst suchen?

In den künstlerischen Arbeiten, die wir bis jetzt gemeinsam gemacht haben, war es immer so, dass man sich den Themen gefühlsmäßig nähert und sich auch dadurch einen Weg weisen lässt. Es birgt eine Kraft in sich. Das ist etwas, was ich so im wissenschaftlichen Alltag nicht finde, manchmal vielleicht in abgewandelter Form für kurze Momente.

Wir haben beim fünften Raum sehr eng zusammengearbeitet.
Wo haben wir uns, du als Wissenschaftler und ich als Künstler, im Wege gestanden? Gab es da so etwas wie eine Pattsituation?

Diese Auseinandersetzung von Kunst und Wissenschaft führt zu einem Stillstand oder einer Art Todesprozess. Wenn Kunst und Wissenschaft sich gegenüberstehen, da verharren und sich ins Visier nehmen. Aber aus dieser Situation heraus entsteht unabhängig davon etwas anderes, etwas Neues. Das ist wie eine Geburt. Ich glaube aber, genau dieser Prozess: dastehen und sich angucken, nicht weiterkönnen und nicht weiterwissen, ist das Befruchtende. Aus dem heraus entsteht eine Spannung, zumindest zwischen uns.
Ich finde es interessant, das Projekt nach Ende der Arbeit rückblickend zu entdecken.

Was ist für dich das Wichtigste in diesem Raum? Was haben wir damit gefunden?

Ich finde, dass das ein sehr gelungenes Projekt ist. Ich erlebe den Raum als karg, kühl, metallisch und strukturiert. Gleichzeitig spüre ich unterschwellig so ganz feine, lebendige Prozesse, die da aufblühen.
Der viereckige, durch seine Maße genau definierte Raum und das Schwebende, die Formen, die in den Spiegelungen entstehen – das ist ein irrsinniger Kontrast. Für mich ist es ein warmer, unendlicher Raum, in welchem stetig neue subtile Prozesse beginnen und enden. Es ist fast, wie mit zwei völlig verschiedenen Augen zu schauen. Wenn ich mit dem wissenschaftlichen Auge sehe, ist da viel Trockenes, Eckiges ... wenn ich mit dem künstlerischen sehe, entdecke ich viel Warmes.

Wie stellst Du dir eine optimale Zusammenarbeit zwischen Künstler und Wissenschaftler vor?

Optimal für mich ist, dass ich mich knallhart der direkten Konfrontation stelle, ohne Ängste und ohne mich abzuwenden. Innehalten und dann weitergehen, aber nicht im Sinne eines gezielten Weitergehens. Und dann entdecken, was entsteht.
Ich glaube, dass das Zeit braucht, dass man stetig miteinander befreundet ist, sich eine Weile nicht sieht und sich dann wieder wirklich Zeit nehmen kann, um den Prozess, den man angefangen hat, fortzusetzen. Dass man zusammen schläft, isst und dabei eine neue Arbeit entsteht.

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Susanne Hahn, Medizinhistorikerin, Ärztin, Ausstellungsmacherin

Sie haben lange Zeit Ausstellungen im Hygiene-Museum Dresden gemacht, wo ein ähnlicher Ansatz, die Verbindung von Kunst und musealer Ausstellung praktiziert wird. Sehen Sie einen Unterschied zu der Arbeit in Zschadraß?

Ja. Im Deutschen Hygiene-Museum Dresden ist im Allgemeinen erst ein wissenschaftliches Konzept da. Danach entsteht darauf aufbauend das Gestaltungskonzept. Nur bei der Gehirnausstellung war es etwas anders. Auch da gab es zunächst ein wissenschaftliches Konzept, an das sich der Gestalter jedoch nicht gehalten hat, sondern seine künstlerischen Ideen hat spielen lassen. In einem mühsamen Prozess des Aufeinanderzubewegens entstand dann die Synthese von Wissenschaft und Kunst, die die Ausstellung auszeichnete und prägte. In Zschadraß scheint mir zuerst die künstlerische Idee entstanden zu sein, die dann mit wissenschaftlichem Inhalt gefüllt wurde.

Wie war für Sie die Arbeit mit christoph mayer chm.?

Sehr schön. Von gegenseitiger Achtung und Akzeptanz getragen, sehr freundlich im Umgang, faszinierend wegen der künstlerischen Ideen und von der Bereitschaft geprägt, wissenschaftliche Zuarbeit zu integrieren.

Was halten Sie von dem Ergebnis, der Ausstellung?

Ich bin begeistert, was da auf kleinem Raum, aber ganz beeindruckend entstand.

 

 

 

 

 

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