Diakonie Intern, 11 / 2003

Die Kunst ist hier!
Diakoniewerk Zschadraß realisiert ein ungewöhnliches Museum

Das Kunst + Museumsprojekt Zschadraß steht für eine einzigartige Initiative des Diakoniewerks und der Ortsgemeinde Zschadraß, die mit der Eröffnung de Museums am 22.11.2003 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Der international arbeitende österreichische Künstler christoph mayer chm. folgte der Einladung, in Kooperation mit Medizinern und Geschichtsexperten, ein ständiges Ausstellungsprojekt auf dem Klinikgelände zu verwirklichen. Ausgehend von der speziellen Entwicklung des Krankenhauses die eng mit dem Ort Zschadraß und den Lebensverläufen seiner Menschen verwoben ist, beschäftigt sich das Projekt mit der Geschichte und dem Wesen von Medizin, insbesondere Psychiatrie. Die Besucher werden in den fünf Rauminstallationen der Ausstellung mit einer künstlerischen Sichtweise konfrontiert. Historische Exponate, alte Fotografien und Dias, Textdokumente und Interviews von Psychiatriepatienten dienen dem Künstler als Arbeitsmaterial. Dabei geht es nicht nur um eine 1:1 Rekonstruktion von Ereignissen, sondern auch darum, Formen, Bilder und Bewegungen im Raum zu finden, die vergangenen Wirklichkeiten, Bedeutungen und gelebtem Leben Gestalt verleihen.
Die einzelnen Räume konzentrieren sich auf unterschiedliche Inhalte.

Raum 1 ist mit Erdfarben rot gestrichen. In schwarz verbrannten Schränken, die innen mit farbig leuchtenden Stoffen ausgekleidet sind, wird über Themenbereiche wie zum Beispiel Kultur oder Psychiatrie in der NS-Zeit oder Lungenklinik Zschadraß berichtet. Der vierte Raum der Ausstellung ist fast vollständig abgedunkelt. Er bietet Gelegenheit, sich zu setzen und den Geschichten von Menschen, die ganz persönlich Verrücktsein und Psychiatrie erfahren haben, zuzuhören. Aus diesem Raum heraus betritt man den letzten letzten Bereich der Ausstellung, einen komplett mit Spiegeln ausgestatteten Raum, im Inneren ein frei schwebendes Mobile als Metapher für das menschliche Gehirn. Man wird auf sich selbst zurückgeworfen, im wahrsten Sinne mit seinen vielen Spiegelbildern und Perspektiven konfrontiert. Fragen bleiben, vielleicht auch Irritationen. Christoph mayer chm. stellt mit diesem Kunst + Museumsprojekt eine mutige und ausdrucksstarke Arbeit zur Diskussion. Es ist geplant, dass Ärzte und ehemalige Patienten die Betreuung der Besucher im Rahmen eines museumspädagogischen Programms übernehmen, um den Aspekt der inhaltlichen Auseinandersetzung und Diskussion Rechnung zu tragen.

Weitere Informationen auch demnächst über die Internetseite www.ort-jenseits-der-strasse-de.

 

 

 

 

 

home