Döbelner Anzeiger, 22. November 2003

Museum in der Psychiatrie

Christoph mayer chm. (I.) eröffnet heute auf dem Gelände der Psychiatrie Zschadraß die Dauerausstellung “Jenseits der Straße”. Gemeinsam mit Medizinern der dortigen Klinik und Diakonie schuf er dieses ungewöhnliche Kunstprojekt. Ulla Zimmermann (r.) half bei der Ausgestaltung (Seite 38).

Museum auf dem Gelände der Psychiatrie

Christoph mayer chm. eröffnet
Dauerausstellung „Jenseits der Straße“

Zschadraß Ein ungewöhnliches Kunst- und Museumsprojekt wird heute in der Zschadraßer Psychiatrie (Muldentalkreis) erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Gemeinsam mit Medizinern der dortigen Klinik und Diakonie hat der Künstler, der sich selbst christoph mayer chm. nennt, eine Dauerausstellung mit dem Titel „Jenseits der Straße“ realisiert. Dafür verwendete er alte Fotos und Interviews von Psychiatriepatienten. In der Schau wird auch die Anstandskultur und Psychiatrie in der Zeit des Nationalsozialismus thematisiert.

In einem weiteren Teil des Museums können die Besucher sich Geschichten von Menschen anhören, die persönlich Verrücktsein und Psychiatrie erfahren haben. Die Ausstellungsmacher rechnen nach eigenen Angaben mit vielen Fragen der Besucher. Deshalb sei geplant, dass Ärzte und ehemalige Patienten die Betreuung der Gäste übernehmen.

Die Klinik in Zschadraß ist 1997 bundesweit in die Schlagzeilen geraten, als der Hochstapler Gert Postel als falscher Arzt aufflog. Der Postboote hatte sich dort 199 eine Anstellung als Oberarzt in der Psychiatrie erschwindelt. Danach wurde der Mann zu vier Jahren Haft verurteilt. Nach seiner vorzeitigen Entlassung 200 wurde Postel zur Rückzahlung seines Arztgehaltes in Höhe von etwa 104.000 Euro plus Zinsen verpflichtet. 2001 veröffentlichte Postel seine Geschichte unter dem Titel „Doktorspiele“.

 

 

 

 

 

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